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Tiziana & Andri Christen
Hausgeburt von Lina am 16.08.2020

Unser Geburtsbericht über eine schnelle, wundergewaltige Hausgeburt von unserem 1. Kind

Der Samstag-Morgen vom 15. August ist einer wie viele anderen auch. Einkaufen auf dem Märit, Zmörgele, kurz in der Bibliothek einen Film ausleihen. Und trotzdem – gestern habe ich bei Grosi noch Zwetschgen abgelesen, eingekocht, Andrj hat 6kg Brot und Züpfe gebacken und heute Morgen eingefroren. Nicht normal. Man hätte die baldige Geburt von Lina erahnen können, bei diesem Versorgungsinstinkt.

Am späteren Nachmittag machen wir einen langen Spaziergang, querfeldein, an der Murg entlang und kurz vor dem Auto habe ich einen gehörigen Bauchkrampf, welcher jedoch gleich wieder vergessen geht. Zu Hause am lesen auf dem Bett zieht sich der Bauch alle paar Seiten etwas zusammen was ich jedoch grosszügig ignoriere.

Am Abend beim Film schauen finde ich nirgends eine angenehme Sitzposition, tigere in der Wohnung umher auf der Suche nach irgendetwas Unbestimmtem. Kurz nach neun Uhr dann ein leises Knacken, etwas Wasser und ich bin plötzlich hellwach. War dies der Blasensprung?

Kurze Zeit später rufen wir Fanny an, sie höcklet gerade mit Freunden in ihrem Garten und mein sie komme in der nächsten Stunde vorbei. Um 10 Uhr beginnen dann tatsächlich leichte Kontraktionen – nicht schmerzhaft aber tiefer Atmen musss ich schon damit sie etwas leichter werden. Fanny kommt etwa um viertel vor 11 und wir plaudern noch ein wenig am Küchentisch. Die Untersuchung zeigt, dass es tatsächlich Fruchtwasser war und die Geburt losgeht. Danach nehmen die Kontraktionen stetig an Intensität zu, den ersten kann ich mit Atmen gut begegnen, töne aber auch immer mehr mit. Mein Kopf macht nicht mehr viel ausser ans Atmen zu denken und mich immer wieder von den Füssen bis zum Kopf komplett zu entspannen und zu öffnen. Fanny ist die Ruhe in Person, sehr präsent und doch habe ich so viel Raum für mich. Etwa um Mitternacht sind die Abstände so kurz, dass ich nicht mehr weiss mit welcher Position oder Atmung ich den intensiven Kontraktionen begegnen kann. Fanny streicht mir mit jeder Ausatmung über das Kreuzbein – so gut! Kurz darauf verändern sich die Kontraktionen und haben wieder etwas mehr Abstand als nur gefühlte Sekunden. Ich will unbedingt ins Wasser. Fanny untersucht mich und ist sehr überrascht den Muttermund schon vollständig geöffnet vorzufinden. Die Presswehen sind sehr intensiv, eine Naturgewalt, jedoch mit guten Pausen dazwischen und das warme Wasser und schwerelose Gefühl ist sehr hilfreich. Ich konzentriere mich nur noch auf mein Baby und wir gehen Welle für Welle weiter, ohne Zeitgefühl. Um halb 2 kommt Mirjam, die 2. Hebamme hinzu und bringt nochmals so viel Ruhe und Vertrauen mit in unser Schlafzimmer. Nach den letzten, kraftvollen Wellen (der Damm bleibt heil dank gutem Zureden von Fanny) kommt unsere kleine Lina zehn Minuten später zur Welt. Lina ist vom ersten Moment an hellwach und schaut uns staunend, mit ihren grossen Augen an. Wir sind sofort verliebt 😊

Fanny und Mirjam bleiben die nächsten Stunden bei uns, schauen unter anderem dass Lina trinkt und unterhalten sich am Küchentisch über die Plazenta. Wir sind zu dritt am Ausruhen im Bett, bestaunen unsere kleine Lina und sind überglücklich und dankbar für dieses Geburtswunder.

Unser grosser Dank geht an dich Fanny für deine ruhige, erfahrene und vertraute Betreuung während der Schwangerschaft, Geburt und anschliessend im Wochenbett.

 
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